Vor einigen Tagen hat Dennis Ahrens einen Forbes Artikel geteilt mit der Botschaft, dass er persönlich mehr zu AR tendiere und bekam von Claudia Kiani einen Kommentar, dass es keine Frage des entweder oder sei. Damit hat sie natürlich komplett recht und es hat ihn insperiert einen Artikel über den Unterschied von AR und VR auf der Plattform LinkedIn zu schreiben.

Er hat sich gefragt, an welchem Beispiel man es möglichst konkret machen kann und mich entschieden den UseCase Training zu betrachten. Genau darüber klärt er in diesem Beitrag auf.

Dennis Ahrens ist Mixed Reality Evangelist der ersten Stunde und steht für die Optimierung von Geschäftsprozessen im B2B Kontext. Bei der Plansysteme GmbH treibt Dennis die Entwicklung der AR-Calloboration Plattform HoloDesk in der Rolle Director Product & Services. HoloDesk hebt insbesondere Effizienzpotentiale in den Bereichen Qualitätssicherung und Forschung&Entwicklung.  Gleichzeitig hat Dennis noch das Startup Spacific gegründet, um die Vermessungsindustrie mittels Augmented Reality zu revolutionieren.

Training mit AR oder VR verspricht enorme Effizienzpotentiale

Es gibt viele Trainingsszenerien in Bereichen von Unternehmen, die durch den Einsatz von AR oder VR effizienter gestaltet werden können. Zwei Ziele, welche damit verfolgt werden, sind die Vermeidung von Reisezeit für heutige Class-Room-Trainingskonzepte und der Verzicht auf die Bereitstellung von z.T. kostenintensiven Trainingsmateriealien. 

Die Unternehmen haben gelebte Trainingskonzepte, die erfolgreich in der jeweiligen Organisation genutzt werden. Daher ist aus meiner Sicht heute noch gar kein umfassendes Training ausschließlich mit AR oder VR möglich, denn niemand wird in einem Big Bang das gesamte Trainingskonzept verändern, nur weil es sich durch eine neue Technologie Effizienzpotentiale heben lassen. Die Unternehmen werden zunächst Proof-of-Concepts starten, um herauszufinden, welche Auswirkungen AR und VR Trainings-Module auf die Trainingsorganisation insgesamt haben und dann langsam die Trainingskonzepte umstellen. Wichtig ist es die Mitarbeiter mitzunehmen auf die Reise und den Change aktiv zu gestalten. Der ROI einer solchen Lösung ist daher eher langfristig zu sehen. 

Die Unternehmen müssen dann natürlich auch die Frage AR oder VR für sich beantworten. Oder doch nicht? 

Im ersten Schritt ist es vielleicht wichtig, die Gemeinsamkeiten darzustellen. Das grundsätzliche Trainingskonzept ist in AR und VR sehr ähnlich. Auch die benötigten Daten sind die Gleichen. Möchte man beispielsweise einen Servicetechniker im Austausch einer Steuerungseinheit schulen, muss die Maschine als 3D Objekt zur Verfügung stehen. Einzig die Interaktion des Trainingsteilnehmers ist in der AR Lösung anders als in einer VR Lösung. Ist aber auch logisch, kann man in der AR-Welt doch mit den eigenen Händen und Fingern arbeiten und VR Controller nutzen. Der Aufwand sich über das Interaktionskonzept Gedanken zu machen und dieses in die Lösung zu implementieren, ist bei AR und VR ist aber wieder in einer ähnlichen Dimension. 

Devices

Die Device-Frage sollte immer nachgelagert beantwortet werden, dennoch gibt es für AR sicher eine Einschränkung: Ein wirkungsvolles AR Training kann nur mit head-mounted-displays wie HoloLens oder Magic Leap gemacht werden und nicht mit einem Smartphone.

Entscheidende Wege

Eine richtungsentscheidende Kernfrage lautet: Möchte bzw. muss ich dem Lernenden immersives etwas aussetzen? Also muss etwas simuliert werden, was in der Realität so nicht vorhanden ist? Dann ist die Wahl automatisch immer bei VR, weil im Trainingskonzept die reale Umwelt ausgeblendet werden muss. Gute Beispiele sind hier die Flugsimulation oder ein Trainingskonzept für Feuerwehren, bei dem die Teilnehmer unter Stress gesetzt werden sollen. 

Es gibt weitere Fragen, die man sich bei der Auswahl von AR oder VR stellen muss:

–       Möchte ich Mimik und Gestik meiner Trainingsteilnehmer sehen und beobachten?

–       Möchte ich reale Dinge in das virtuelle Training einbeziehen?

–       Wie hochauflösend muss die Darstellung sein?

–       Wie viele Teilnehmer sollen gleichzeitig in dem Trainingsmodul arbeiten. 

Je nachdem wie die Frage beantwortet wird, ist entweder AR oder VR die bessere Entscheidung.

Fazit

Es gibt Szenarien, in denen definitiv VR die bessere Lösung ist als AR und anders herum. Dennoch sei es mir erlaubt eine persönliche Sicht zu haben: Ich glaube AR ist grundsätzlich menschlicher: Ich kann die Mimik und Gestik betrachten und dem Teilnehmer in die Augen schauen. Der Teilnehmer kann sich nicht hinter einem Avatar „verstecken“ sondern bleibt er selbst. Ich finde AR auch und gerade im Bereich des Trainings sehr spannend, weil man reale Werkzeuge tracken kann und damit dann die virtuelle Maschine repariert. 

Mich interessiert, ob es Firmen gibt, die einen praktischen Vergleich gezogen haben? Gibt es Unternehmen, die das gleiche Trainingsszenario einmal über VR und einmal über AR abgebildet haben? Wie sind die Erfahrungen und Ergebnisse dieser Untersuchung? Was sagen die Trainingsplattform-Anbieter wie 3Spin oder Innoactive dazu?